I love Butterflies
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Ich kann mich daran erinnern, dass ich vor fünf Jahren das erste mal richtig mit einer Diät in Berührung kam. Mit richtig meine ich über einen längeren Zeitraum...und, sie verfolgt mich bis heute.

Ich war früher ein richtiges Pummelchen. Eine Außenseiterin in der Schule, hatte nur eine Freundin, die das gleiche Leid teilte wie ich. In der Grundschule wurde ich richtig gemobbt. Und ich hasste die Leute in meiner Klasse, die Schule, die Lehrer, alles!

Als ich zur Realschule ging, fand ich Anschluss und im Laufe der Jahre besserte sich alles. Ich hatte einen sehr großen Freundeskreis, tolle Freundinnen, die immer füreinander da waren. Das Gewichtsproblem löste sich dann irgendwie von aleine. Immerhin war ich den ganzen Tag unterwegs, kaum Zeit zum Essen. Und ich muss sagen, ich hatte damals eine tolle Figur.
Ich erinnere mich an einen Tag, ich glaube ich war in der achten oder neunten Klasse, an dem ich mit einem bauchfreien Top zur Schule ging. (Ja, sowas trug man "damals" kombiniert mit einem schicken Glitzerklunker im Bauchnabel xD)
Und alle bewunderten meinen tollen dünnen straffen Bauch, meine dünne Figur. Was für eine Genugtuung für ein so junges Mädchen.

Dann lernte ich einen Typ kennen, mit dem ich auch lange zusammen blieb. Wir zogen uns zurück, wie das in der Liebe so ist. Ich hatte nicht mehr so viel Kontakt zu meinen Freundinnen, der Freundeskreis brach auch sehr schnell immer mehr auseinander. Alle wechselten die Schulen, fingen an zu Arbeiten,...und die Wege trennten sich.
Und irgendwann bemerkte ich, dass ich kaum noch jemanden hatte, außer meinem Freund und das ständige FastFood essen, die Schokolade, die man sich gerne mal zu zweit im Bett reinzieht.

Mit neunzehn lernte ich an Weihnachten die neue Freundin meines Bruders kennen. Eine wunderbar nette süße Person. Etwas mollig, aber auf sowas stand mein Bruder schon immer
Sie erzählte mir dann irgendwann von "WeightWatchers".
Mein Interesse war riesig, denn ich hatte ja allmählich bemerkt, wie ich immer mehr auseinander ging.
An meinem ersten Tag der Diät stellte ich mich seit langem mal wieder auf die Waage. Und ich muss sagen, auch wenn das viele hier vielleicht nicht als "fett" oder "katastrophal" sehen: Ich war geschockt. Bei 1,65m wog ich früher zwischen 50-53kg. Ein schönes Gewicht. Nun zeigte mir die Waage allerdings unglaubliche 64kg an. Rückblickend konnte man also festhalten, dass ich in den letzten drei Jahren über 10kg zugenommen hatte.

Mit "WeightWatchers" setzte ich mich ein Jahr auseinander. Aber es half nichts. Zu meinen besten Zeiten während der Diät wog ich 56kg. Aber das Gewicht stieg immer wieder nach oben.
Den einzigen Vorteil, den ich dadurch ergatterte war, dass sich mein "Normalgewicht" (also, ohne aufs Essen, den Sport etc zu achten) auf 58kg einstellte, die ich auch heute noch wiege, wenn ich nicht gerade lebe wie Gott in Frankreich

Irgendwann gab ich es dann auf. Es war mir zu lästig dauernd auf das Essen zu achten, ständig irgendwelche Punkte zu zählen. Aber ich kann sagen: Das ist der erste Schritt in die falsche Richtung gewesen. Denn auch als ich es aufgab, konnte ich nicht mehr richtig essen. Entweder es endete in Hungerstreiks oder in Fressattacken. Von da an hatte ich kein normales Gefühl mehr für Hunger, satt sein, zuviel oder zuwenig. Ich konnte bei einem Geburtstag kein kleines Stück Kuchen mehr essen, ohne gleich zu denken: Jetzt ist alles vorbei! Und mich zuhause mit allen Leckereien voll zu stopfen, die ich nur fand. Den Ausgleich dazu fand ich dann am nächsten Tag, indem ich einfach gar nichts aß.

Ein Jahr nachdem ich "WeightWatchers" aufgab, ein Jahr in dem ich unkontrolliert aß oder auch nicht aß, bemerkte ich, dass ich meiner Traumfigur dadurch nicht im geringsten entgegenkam.
Also nahm ich mir vor, wieder abzuspecken. Dabei wollte ich "WeightWatchers" zunächts vollkommen aus dem Spiel lassen.
Ich versuchte meinen eigenen Weg zu finden. Nur gesunde Dinge zu essen, nur zu essen, wenn ich wirklich Hunger hatte und nur so viel, bis ich satt war.
Aber das Punktezählen hatte sich so in meinen Kopf verankert... Wenn ich mir ein Brötchen nahm, rechnete ich beim Belegen ständig die Punkte mit. Ob ich wollte oder nicht. Es ist das Gleiche Phänomen wie beim "Nichts-denken". Versuche nichts zu denken und ich schwöre dir, du denkst darüber nach, ob du nichts denkst. Ob du willst oder nicht...

Irgendwann nahm ich immer weinger Punkte zu mir. Aber ich merkte, dass mein Gewicht auch immer schneller immer weniger wurde.
Ich recherchierte im Internet nach Essstörungen und fand schnell Gleichgesinnte. Was allerdings zunächst gar nicht mein Vorhaben war. Meine Intention war, heraus zu finden, OB ich eine Essstörung hatte. Nicht im Ausmaße von Bulemie oder Anorexie. Ich wollte wissen, in wie weit es normal ist, was da gerade mit mir geschah.
Mein persönliches Fazit war: Es gibt tausende Frauen, die ein Problem mit dem Essen haben. Ich denke (nein, dass sind keine durch Studien belegte Zahlen ) dass mit Sicherheit 80% oder mehr der Frauen kein normales Verhältnis zum Essen haben. Und erst recht nicht zu ihrem Körper.
Und ich war mir sicher (BIN mir sicher!) dass auch ich keine Esstörung hatte/habe.

Über das Internet war ich irgendjemand. Irgendjemand, der mit irgendjemandem darüber sprechen konnte, was ihn belastet. Ohne zu lügen. Ohne zu denken, dass diese Peron das gar nicht hören will oder dich für bescheuert hält oder meint er müsse dir "helfen". Damals fing ich mit dem Blog schreiben an.
In dieser Zeit (das war vor 2,5 Jahren) erlangte ich mein Traumgewicht von 50kg. Zwar in kurzer Zeit, durch wenig essen, aber ich war überglücklich und noch stolzer, wenn mich Leute bewundernd darauf ansprachen. Wenn meine Mutter mir bei jedem Besuch sagte, dass ich immer dünner würde, mein Vater mich als "Spargel" zu beschimpfen versuchte^^ Meine Freundinnen mir drohten, dass es jetzt mal langsam genug sei. Und vor allem, wenn mein Freund meinen Körper ansah und streichelte und ich in seinen Augen sah, dass er ihn liebte.

Doch dann nahm mein Leben eine andere Wendung. Ich hatte viel Stress, viel Streit mit meinem Freund. Durch mein neues Aussehen blühte ich wieder auf, ging auf Partys, lernte Männer kennen. Eine kleine Affäre war das endgültige Aus zwischen mir und meinem Freund. Ich zog aus. Und auf einmal kam mir alles so ungeordnet, alleine vor. In dieser kurzen Zeit nahm ich acht Kilo zu. Ich zog mich sehr zurück, aus Angst zu bemerken, dass ich niemanden hatte, wenn ich nach Hilfe rufen würde.
Zum Glück kam die Hilfe kurze Zeit später von selber. Meine Freundinnen, zu denen ich nicht mehr viel Kontakt hatte, waren in der Zeit immer für mich da. Von da an ging das rasante Leben wieder los. Ich arbeitete nur noch auf das Wochenende hin. Freitag morgen war ich schon voller Euphorie und hätte mich um acht schon in totaler Partystimmung betrinken können Ich hungerte ab und zu wieder etwas oder aß wenig, so dass ich bald wieder 54kg auf der Waage verbuchen konnte.

Dennoch, obwohl ich immer mal wieder ein kleines Techtelmechtel hatte, fehlte mir jemand an meiner Seite. Andererseits liebte ich das Flirten, das Partymachen, das Unbeschwerte.
Aber eines Abends lernte ich dann doch die Liebe meines Lebens kennen. Nein, es stand nicht auf seiner Stirn, und nein, ich wusste es natürlich nicht von Anfang an^^
Dieser Typ hatte es mir vollkommen angetan. Und ich es ihm glücklicherweise auch. Wir trafen uns immer häufiger, lernten uns besser kennen und waren beide eindeutig der Meinung: Das ist es.
Mein Leben wurde durch ihn kein bisschen langweiliger. Das ist es auch heute, etwa ein Jahr später, nicht. Aber ich würde sagen, wir haben andere Prioritäten gesetzt. Wir brauchen beide nicht mehr das ständige High-Life und gehen zumindest nicht mehr jedes Wochenende auf Party

Nun, nach einem zwanzigseitigen Roman sind wir im Hier und Jetzt angekommen. Mein Gewicht weiß ich zur Zeit nicht, was mit Sicherheit viel besser ist. Ich denke es hat sich wieder bei 58-59kg eingependelt.
Und ich bin nicht glücklich damit. Ganz und gar nicht. Und ich habe das Gefühl, dass mein Freund (der mich mit 54kg kennen gelernt hat) auch nicht zufrieden damit ist.

Deshalb schlage ich ein neues Kapitel auf. Und neues Kapitel heißt: Neuer Blog. Und falls du nicht nach dieser ganzen Leserei den Kaffee auf hast, denkst ich bin bescheuert und schreibe sowieso viel zu viel, kannst du es sogar mitverfolgen xD